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  • Jan 31, 2026

Wie du dich an alles erinnerst, was du liest

    Du liest ein Buch. Unterstreichst alles. Machst Notizen. Denkst schon daran, wie klug du wirken wirst, wenn du das anwenden kannst.

    Drei Wochen später? Kannst dich an nichts erinnern.

    Du schreibst deine Lernzettel. Du klickst deine Karteikarten. Aber wenn du es anwenden sollst, kommt da nichts.

    Das sind klassische Symptome vom falschen Lernen.

    Das Problem ist: Du verbringst Zeit mit Lernen, aber in deinem Gehirn passieren nicht die nötigen Prozesse.

    Lineare Notizen sind eines der Symptome einer tief verwurzelten Krankheit.

    Karteikarten sind so das Ibuprofen, obwohl der Patient ein gebrochenes Bein hat…

    Und du verarscht dich dabei nicht mal selber…

    Du willst ja klüger lernen.

    Aber keiner sagt dir wie.

    Hier sind 9 Prinzipien, die das ändern.


    Es gibt zwei Arten von Lernern auf dieser Welt

    Erstens: Der Schlingende

    Der eine, der alles runterschlingt. Podcast auf dem Weg zur Arbeit. Self-Improvement-Video nach dem anderen. Hörbuch auf 1,5x Speed, weil man dann schneller durchkommt.

    Diese Person ist zwei Wochen an einem Projekt dran, macht schnell Fortschritt, dann stagniert es – und sie gibt auf. Sucht den nächsten Quick-Fix. Das nächste Video. Das nächste Buch.

    Sie konsumiert wie jemand, der sich fünf Fastfood-Menüs hintereinander reinhaut. Schnell, schnell, schnell. Ohne zu kauen. Ohne zu verdauen.

    Dann ist da noch der Zweite: Der Gourmet

    Er liest vielleicht nicht extrem viel. Aber er lässt sich Sachen auf der Zunge zergehen.

    Er kaut lange. Er gibt seinem Körper Zeit zum Verdauen. Er haut sich nicht fünf Bücher hintereinander rein, sondern nimmt eins – und verdaut es genüsslich.

    Beim Lesen fragt er sich ständig: Warum ist das hier gerade wichtig? Wie hilft mir das bei meinem Projekt weiter? Wie steht das in Verbindung mit dem, was ich zwei Seiten vorher gelesen habe?

    Er hat dieses Vorwärts-Rückwärts-Denken. Dieses Reinzoomen-Rauszoomen im Gehirn. Er verknüpft Sachen. Hinterfragt Sachen. Liest mit Intention.


    Mein Leben lang war ich Typ 1:

    Mein Leben lang habe ich Bücher verschlungen.

    Ich habe ein Buch nach dem anderen gelesen. Hörbücher gehört, weil ich dachte, dann komme ich schneller durch. YouTube-Videos verschlungen, eins nach dem anderen.

    Ich war frustriert, weil ich keinen Fortschritt gemacht habe. Anstatt das Gelesene wirklich zu verarbeiten, hab ich das nächste Buch angefangen und nach dem perfekten System gesucht.

    Das war top, weil ich mich beim Lesen von Self-Improvement-Büchern wenigstens produktiv gefühlt habe.

    Aber die Phase, in der ich am meisten Fortschritt in meinem Leben gemacht habe?

    Das war die Phase, in der ich eigentlich ziemlich wenig gelesen habe – und ziemlich viel umgesetzt.

    Und wenn ich gelesen habe, dann gezielt. Um ein bestimmtes Problem zu lösen. Nicht um Information zu sammeln.

    Heute, wenn ich lese um mir etwas beizubringen, habe ich mein iPad nebenher. Ich verknüpfe Konzepte. Ich versuche Sachen anzuwenden. Mein Gehirn ist 24/7 aktiv: Wie kann ich es anwenden? Wie kann ich es einbauen? Wie kann ich es umsetzen?

    Und wenn ich einfach aus Spaß lese? Dann höre ich mir das Buch an und genieße es. Kein Druck. Entertainment-Lesen.

    Aber wenn ich mit Ergebnis lesen will, dann gehe ich das an wie für eine Klausur – nur dass die Klausur mein echtes Leben ist.


    Harte Wahrheit Nr. 1: Dein Gehirn funktioniert wie eine Lagerhalle, nicht wie eine Abstellkammer

    So wie die meisten Menschen lesen, ist es, als würden sie einen Haufen Sachen nehmen und in einen Raum schmeißen. Unsortiert. Ungeordnet.

    Und dann sagen sie: "Yo, find mal das gestreifte Paar Socken wieder."

    Viel Spaß.

    Aber wenn du das angehst wie eine Lagerhalle, dann fragst du dich: Nach welchem Konzept baue ich das hier auf?

    Sortiere ich nach Thema? Nach Anwendungsfall? Nach Projekt? Nach Priorität?

    Je nachdem, wie du es brauchst.

    Und genauso musst du auch Wissen angehen.

    Ich lese gerade Outlive von Peter Attia. Da ging es um Cholesterin. Anstatt einfach das Kapitel runterzulesen, habe ich gefragt:

    • Was weiß ich denn selber über Cholesterin?

    • Warum ist das für mich wichtig? (Mein Vater hat erhöhten Cholesterinwert.)

    • Durch welche Linse schaue ich darauf? (Longevity, nicht Kardiologie.)

    Dann habe ich gedacht: Was kann man für Lifestyle-Modifikationen machen? Wie kann man die Ernährung anpassen? Was sollte man noch für Werte checken?

    Mein Gehirn wurde geleitet durch meine eigenen Fragen. Durch meine eigene Linse.

    Und genauso musst du alles Lernen angehen.

    Wenn ich eine neue Krankheit lerne, denke ich: Morgen kommt so ein Patient in die Notaufnahme. Ich muss ihn alleine versorgen. Was muss ich wissen?

    Das sind Linsen, durch die du so viel effizienter wirst.


    Harte Wahrheit Nr. 2: Wenn du es nicht reproduzieren kannst, hast du es nicht gelernt

    Das ist der härteste Test.

    Kannst du ein Argument, ein Konzept aus dem Kopf wiedergeben? Ohne nachzuschauen?

    Wenn nicht, hast du es nicht wirklich verstanden. Du hast es nur gesehen.

    Nachdem ich das über Cholesterin gelernt hatte, habe ich ein Instagram-Video darüber gemacht. Einfach um zu checken: Kann ich das anderen Menschen erklären?

    Konnte ich. War super anstrengend. Aber genau das ist der Punkt.


    Harte Wahrheit Nr. 3: Lernen kommt nur durch Anstrengung

    Mir schreiben viele Menschen, weil sie Probleme mit dem Lernen haben.

    In 90% der Fälle ist das einzige Problem, dass sie kein Bock haben sich anzustrengen und Gehirnschmalz reinzustecken.

    Es ist anstrengend Ideen zu verknüpfen, sie zu synthetisieren und sie aus dem Kopf aktiv abzurufen.

    Das Gucken von Videos ist einfach. Es ist wie mentale Masturbation.

    Aber das, was du eigentlich tun solltest, ist das Wissen zu sortieren und anzuwenden.

    Und du musst merken: Es braucht immer eine Phase von drei bis sechs bis zwölf Monaten des Lernens und Scheiterns und trotzdem Weitermachens.

    Bei jedem Weg kommst du an ein Plateau. Da darfst du nicht aufhören.

    Bewusst nicht den Weg des geringsten Widerstands gehen.


    Die 9 Prinzipien

    Prinzip 1: Lass dich von deiner Neugierde leiten

    Die meisten Menschen lernen wie Kleinkinder.

    Wir bekommen beigebracht ein Buch von vorne bis hinten durchzulesen.

    Genauso lernen wir dann auch unsere Vorlesungen oder Sachbücher: Wir fangen auf Folie 1 an und arbeiten und Folie für Folie voran.

    Aber unser Steinzeitgehirn merkt sich Inhalte viel besser, wenn wir es durch Neugierde navigieren.

    Was bedeutet das auf deutsch?

    Bevor du liest, hab eine Frage im Kopf, die dich interessiert!

    Sowas wie: "Warum ist Cholesterin wichtig für unseren Körper?"

    Vielleicht findest du die Antwort auf Folie 1. Vielleicht aber auch nicht.

    Wahrscheinlich gehst du die Vorlesung erstmal ganz grob durch, guckst welche Überschriften dir dabei helfen, die Frage zu beantworten.

    Du findest heraus: "Cholesterin braucht der Körper zur Produktion vor Hormonen, für Zellwände und für die Vitamin D Produktion."

    Jetzt liest du nicht einfach blind weiter. Du stellst dir die nächste Frage, die dich jetzt interessiert:

    "Wenn es wichtig für den Körper ist, warum wollen wir es dann häufig senken?"

    "Wie hängt es mit Bluthochdruck, Herzinfarkten und ungesundem Lifestyle zusammen?"

    Wenn du so lernst, lernst du durch Neugierde.

    Dein Gehirn merkt sich die Sachen viel besser und du lernst den Stoff in deiner eigenen Reihenfolge.


    Prinzip 2: Hypothesen bilden

    Jetzt bauen wir noch einen Zwischenschritt ein:

    Du hast eine Frage. Gut.

    Bevor du die Antwort liest: Was würdest du selber vermuten?

    Klar, wenn du gar keine Ahnung hast, kannst du nicht antworten. Aber häufig können wir mit unserem Mini-Vorwissen eine erste Vermutung anstellen.

    Denk aktiv nach. Was glaubst du?

    Dann erst: Weiterlesen.


    Prinzip 3: Der Hypercorrection-Effekt

    Dadurch denkst du nicht nur aktiv nach, du nutzt auch den Hypercorrection-Effekt, der das Gelernte nochmal stärker verankert.

    Wenn du bei etwas falsch liegst, erinnerst du dich an die Korrektur viel stärker, als wenn du von Anfang an unsicher warst.

    Das heißt: Deine falsche Hypothese ist kein Problem – sie ist ein Feature.

    Du denkst: "Ich glaube, die Antwort ist X."

    Du liest nach. Die Antwort ist Y.

    BOOM. Dein Gehirn merkt sich Y viel besser, weil es X korrigieren musste.

    Nutze das. Jedes Mal.


    Prinzip 4: Cognitive Load Management (Kauen und Verdauen)

    Wenn du merkst, dein Mund wird zu voll – musst du kauen und verdauen, bevor du weiterisst.

    Genauso beim Lernen.

    Wenn du merkst:

    • Dein Kopf wird voll

    • Du spürst Druck im Gehirn

    • Die Ideen müssen irgendwie miteinander verbunden werden

    • Es wird super anstrengend

    • Du willst eigentlich aufhören und TikTok scrollen

    Dann: STOPP.

    Unser Äquivalent von Kauen und Verdauen:

    Mach kurz Notizen. Schreib dein mentales Modell auf – wie du glaubst, wie die Sachen gerade zusammenhängen.

    Das nennt man Offloading. Die kognitive Last abladen.

    Das ist für mich der einzige Sinn von Notizen: Dass ich den Cognitive Load immer abladen kann.

    Wir wollen nicht unterladen sein – dann sind wir gelangweilt und es passiert nichts.

    Wir wollen nicht überladen sein – dann ist komplette Überforderung und das System bricht zusammen.

    Wir wollen im Sweetspot sein.


    Prinzip 5: Action Steps ableiten

    Wissen ohne Umsetzung ist wertlos.

    Immer wenn du etwas lernst, frag dich: Was sind die To-dos, die ich davon ableiten kann?

    Hab eine To-do-Liste offen, während du lernst.

    Nicht: "Das merke ich mir für später."

    Sondern: "Das setze ich heute um."

    Wenn du Outlive liest und lernst, dass du deinen Apo-B-Wert checken solltest – dann schreib dir auf: "Termin beim Arzt machen. Apo-B-Wert checken."

    Wissen → Action. Sofort.


    Prinzip 6: Wissen weitergeben

    Entweder du setzt es um. Oder du gibst es weiter.

    Wenn dir etwas eine neue Perspektive gegeben hat, wenn es dir extrem geholfen hat – dann teil es.

    Ich habe nach dem Cholesterin-Kapitel ein Instagram-Video gemacht. Nicht weil ich Experte bin. Sondern weil ich checken wollte, ob ich es wirklich verstanden habe.

    Die Feynman-Technik:

    1. Wähle ein Konzept

    2. Erkläre es, als würdest du es einem Kind beibringen

    3. Identifiziere Lücken in deinem Verständnis

    4. Geh zurück zur Quelle und fülle die Lücken

    5. Wiederhole, bis du es ohne Zögern erklären kannst

    Wenn du kämpfst, ein Konzept zu erklären – das ist kein Versagen. Das ist Lernen.


    Prinzip 7: Lerne durch Kreation, nicht durch Konsum

    Das ist der Grund, warum ich diesen Newsletter schreibe.

    Es ist Public Journaling. Ich sortiere meine Gedanken, indem ich sie aufschreibe und teile.

    Ich konsumiere keinen Content mehr – ich recherchiere für eigene Projekte.

    Wenn etwas meine Aufmerksamkeit catcht, nehme ich die Idee auseinander, beleuchte sie von allen Seiten und gebe ihr meine eigene Perspektive.

    Sei ein Creator, kein Consumer.


    Prinzip 8: Die richtige Linse wählen

    Bevor du anfängst zu lesen, frag dich: Durch welche Linse schaue ich darauf?

    Wenn ich ein Business-Buch lese: Wie passt das in mein aktuelles Projekt?

    Wenn ich über eine Krankheit lerne: Was mache ich, wenn morgen so ein Patient vor mir steht?

    Wenn ich über Longevity lese: Was kann ich für meinen Vater ableiten?

    Die Linse bestimmt, was du siehst.

    Ohne Linse liest du blind. Mit Linse liest du gezielt.


    Prinzip 9: Higher-Order-Fragen stellen (mit KI)

    Spaced Repetition ist wichtig. Ja, du musst Sachen wiederholen.

    Aber was mir noch mehr hilft:

    Ich gebe ChatGPT meine Ressource und sage: "Stell mir nach Bloom's Taxonomy 15 Higher-Order-Fragen, die checken, ob ich das Ganze wirklich verstanden habe."

    Dann gehe ich die Fragen durch.

    Das ist kein stumpfes Wiederholen von Fakten. Das ist aktives Testen, ob du die Zusammenhänge verstanden hast.


    Mach das jetzt:

    Jetzt bist du hier angekommen und wieder so kurz davor, den Blog wegzuklicken und nichts zu verändern.

    Mach das – kein Ding.

    Aber irgendwann musst du anfangen, anders zu lernen, und es wird keinen perfekten Zeitpunkt geben!

    Schritt 1:

    Nimm das nächste Buch, das du lesen willst. Frag dich: Durch welche Linse lese ich das? Was ist mein Ziel?

    Schritt 2:

    Bevor du ein Kapitel liest: Stell dir eine Frage. Was willst du wissen? Was ist deine Hypothese?

    Schritt 3:

    Lies, bis du die Frage beantwortet hast. Dann: Rotes Licht. Nächste Frage.

    Schritt 4:

    Wenn dein Kopf voll wird: Offloading. Schreib dein mentales Modell auf.

    Schritt 5:

    Leite Action Steps ab. Was setzt du heute um?

    Schritt 6:

    Gib es weiter. Erkläre es jemandem. Mach ein Video. Schreib einen Post.


    Es gibt diesen Spruch: One Day oder Day One.

    Lass heute Day One sein.

    Alles Gute

    Jani

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