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  • 21. Mär

Wie du Ai besser benutzt, als 99% der Menschen (wie es dich wirklich produktiver macht)

    Ich sitze auf dem Sofa und scrolle durch Instagram Stories.

    Eine Frau schaut in die Kamera und sagt: "Claude Cowork hat mein Leben verändert." Und ich denke: "Ah fuck."

    Nicht weil ich nicht weiß, was Claude Cowork ist. Ich weiß, dass es exisiterit, aber ich checke noch nicht, warum es soooo krass sein soll.
    Alle hypen Claude Cowork, Agents und so nen Spaß hoch und ich weiß ich verpasse etwas. Aber ich hab einfach nicht die Energie mich damit auseinanderzusetzen.

    Spoiler: Das war ein dummes Mindset.

    Es ist 23:30 Uhr. Ich habe am nächsten Morgen früh aufstehen müssen. Trotzdem bin ich wach geblieben und habe mir einen anderthalb Stunden langen Kurs auf doppelter Geschwindigkeit reingezogen, weil ich das Gefühl nicht loswerde, dass ich irgendetwas Grundlegendes noch nicht verstanden habe.

    Das Problem ist nicht, dass AI schlecht erklärt wird. Es gibt tausende Tutorials. Das Problem ist, dass AI sich noch anfühlt wie ein extrem kluger Kollege, der jeden Morgen ins Büro kommt und nicht mehr weiß, wer du bist. Du erklärt alles von vorne. Er hilft brillant. Und morgen früh ist alles weg.

    Ich nenne das das demente Genie.

    Den meisten Menschen geht es genauso. Die AI ist da, die AI ist mächtig, aber der Output klingt nie wirklich nach einem selbst. Jetzt weiß ich warum.


    Warum dein Bildungssystem dich auf genau dieses Problem nicht vorbereitet hat

    Letzte Woche hab ich dir erklärt, warum Menschen mit breiten Interessen die Zukunft gehören. Heute geht es um das Warum dahinter.

    In der Schule hast du gelernt, die richtigen Antworten zu wiederholen. Auswendig lernen, wiedergeben, Note bekommen. Du wurdest nie bewertet dafür, wie du über etwas nachdenkst. Nur dafür, ob du das Richtige sagen konntest, was jemand anderes schon gedacht hatte.

    Das war kein Fehler im System. Das war das System.

    Dann kommst du raus ins echte Leben und irgendein Coach sagt: "Wähle eine Nische." Als ob das Problem wäre, dass du zu viele Interessen hast. Das Problem war nie, dass du zu breit denkst. Das Problem war, dass dir 12 Jahre lang niemand beigebracht hat, wie Denken überhaupt funktioniert.

    Und jetzt kommt AI und macht das Ganze schneller.

    Jedes Unternehmen, das AI nutzt, schlägt gerade das, das es nicht tut. Wer hauptsächlich nach festen Abläufen arbeitet und kein eigenes Denken einbringt, kann heute schon ersetzt werden. Nicht irgendwann. Jetzt.

    Die meisten Menschen spüren das bereits. Deshalb die Anxiety. Deshalb das Burnout. Deshalb dieses Gefühl, dass irgendetwas nicht mehr stimmt, ohne dass man genau sagen könnte was.

    Spiral Dynamics nennt das die Beta-Phase. Du lebst lange in einem System, das funktioniert. Dann verändert sich die Umgebung, aber du noch nicht. Die alten Methoden bringen nicht mehr die alten Ergebnisse. Und du weißt nicht, ob es an dir liegt oder am System.

    Es liegt nicht an dir. Das System passt einfach nicht mehr.


    Der Unterschied, der alles verändert

    Naval Ravikant hat 2018 einen Tweet-Thread geschrieben, der heute noch geteilt wird. Sein "How to Get Rich" Thread wurde über 21.000 Mal retweetet, nicht weil er Geheimtipps hatte, sondern weil er aus Spieltheorie, Philosophie und Ökonomie Dinge zusammengezogen hat, die niemand so formuliert hatte. Wer den Thread liest, denkt am Ende: das wusste ich irgendwie schon, aber ich hätte es nie so sagen können.

    Das ist das Gegenteil von dem, was die meisten mit AI machen.

    Jemand tippt eine Frage, bekommt eine Antwort, scrollt weiter. Produktiv gefühlt, aber eine Woche später hat sich nichts verändert. Weil er AI zwar benutzt, aber nicht dirigiert. Wer AI dirigiert, weiß was er will, gibt Kontext und entscheidet, wohin es geht. Die AI führt aus, er denkt.

    Und hier wird es interessant: AI kann alles bis zu einem bestimmten Punkt. Recherchieren, zusammenfassen, strukturieren, formulieren. Was sie nicht kann, ist entscheiden, was davon überhaupt relevant ist. Welche Verbindung zwischen zwei Ideen wirklich zählt. Wohin das Ganze gehen soll. Das ist das, was Lernforscher als Higher-Order Thinking beschreiben, und es sitzt genau in den beiden obersten Stufen von dem, was Menschen kognitiv leisten können. Wer das nicht trainiert hat, gibt der AI nicht nur die Arbeit ab, sondern auch die Entscheidung, worauf es ankommt. Und dann wundert man sich, warum man sich nach zwei Stunden mit Claude wie der Assistent fühlt, nicht wie der Chef.

    Zurück zum dementen Genie. Das Genie ist echt, die Demenz auch. Morgen früh weißt du, wer du bist, was du aufgebaut hast und wo du hinwillst. Claude weiß das nicht. Jeden Tag kommt der fähigste Mitarbeiter der Welt neu ins Büro und kennt dich nicht, kennt deine Projekte nicht, kennt deinen Stil nicht.

    Für 20 Euro im Monat hast du jemanden, der dir bei allem helfen kann. Aber er braucht einen Kontext. Ohne Kontext sitzt da jemand, der dir theoretisch bei jedem Problem helfen könnte, und wartet darauf, dass du ihm sagst, wer du überhaupt bist.

    Was er braucht, ist ein Second Brain.


    Wie du anfängst

    AI braucht Kontext, und Kontext braucht dein Denken. Hier ist, wie das in der Praxis aussieht.

    Dein Denken zuerst. Wenn du schreibst "schreib mir einen Post über Produktivität", kommt etwas zurück, das nach niemandem klingt. Wenn du schreibst "ich habe heute gemerkt, dass ich in den ersten zwei Stunden des Tages dreimal mehr schaffe als in den restlichen sechs, ich glaube das hat mit Energie zu tun, nicht mit Zeit, hilf mir das besser zu machen", kommt etwas zurück, das nach dir klingt. Nicht weil die AI besser wurde. Sondern weil du das Denken gemacht hast, bevor du anfingst.

    Das Second Brain aufbauen. Das demente Genie braucht ein Gedächtnis. Konkret bedeutet das: eine Datei, in der steht, wer du bist, was du baust, welche Projekte gerade laufen, in welchem Stil du kommunizierst, welche Ideen dir wichtig sind. Einmalige Arbeit, die sich von da an bei jedem Gespräch auszahlt. Statt jeden Tag von vorne anzufangen, kommst du rein, öffnest Claude, und der Mitarbeiter weiß bereits, wer du bist und wohin du willst.

    Dann dirigieren, nicht fragen. Du hast dein Denken, du hast deinen Kontext. Jetzt wechselst du von "schreib mir etwas über X" zu "ich habe diese Idee, hilf mir, sie besser zu machen." Das ist der Moment, in dem AI vom Suchmaschinen-Ersatz zum echten Co-Denker wird, und er verändert, was aus diesen 20 Euro im Monat wirklich wird.

    Was sich ändert, ist nicht der Output. Es ist, wie der Output entsteht. Du entscheidest. Du denkst. Die AI erledigt den Rest.


    Ich habe diesen Newsletter heute nicht alleine geschrieben.

    Ich habe morgens Claude geöffnet und "guten Morgen" getippt. Nicht mehr, nicht weniger. Claude hat sich automatisch das Dokument von gestern angeschaut, war up to date mit allen Projekten, die gerade laufen, wusste an welchen Ideen wir arbeiten und hat mir gesagt: hier sind die offenen Dinge, hier solltest du heute anfangen.

    Als ich dann angefangen habe, den Newsletter zu schreiben, hat Claude automatisch auf meine alten Newsletter zugegriffen, den Stil gecheckt, gesehen wie verschiedene Konzepte miteinander zusammenhängen und Ideen aus früheren Texten eingebaut, an die ich selbst gar nicht mehr gedacht hätte.

    Und als wir fertig waren, habe ich "das war's für heute" getippt. Claude hat automatisch ein Dokument erstellt, das festhält, woran wir gearbeitet haben, was offen ist und was als nächstes kommt. Morgen früh, wenn ich wieder "guten Morgen" schreibe, liest er sich das durch und wir machen weiter, als hätte es keine Unterbrechung gegeben.

    Das ist kein Prompt-Trick. Das ist ein System. Und es funktioniert, weil ich mir einmal die Zeit genommen habe, dem Genie ein Gedächtnis zu geben.


    Und wenn du genau wissen willst, wie ich das aufgebaut habe:

    Ich packe mein komplettes Produktivitätssystem — also wie ich Obsidian und Cowork zusammen als Second Brain nutze und wie ich damit täglich arbeite — in den Words to Influence Kurs. Der Preis wird nur steigen.

    Wenn du Bock hast, join jetzt.

    Das war's für die Woche

    Ich wünsche nur das Beste
    Jani

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